1 Million Euro Verlust in 3 Wintern: Bayerns Kolbensattel beendet den Skibetrieb

Die Kolbensesselbahn oberhalb von Oberammergau, Sommer 2020. Foto: Mateus2019 via Wikimedia Commons, CC BY 3.0 DE
Der Kolbensattel oberhalb von Oberammergau hat in seinen letzten drei Wintern nach Angaben der Betreiber etwas mehr als 1 Million Euro Verlust gemacht. Der Winter 2026/27 ist dort der erste seit 15 Jahren ohne präparierte Pisten und ohne Beschneiung. Die Sesselbahn läuft weiter, und die Hänge werden bei ausreichend Naturschnee zum freien Gelände für Skitourengeher.
In Kürze
- Die Betreiberin AktivArena am Kolben beendet nach 15 Wintern, von 2011/12 bis 2025/26, den organisierten Ski- und Rodelbetrieb sowie die Beschneiung.
- Die Verluste der letzten drei Winter summieren sich nach Angaben der Betreiber auf etwas mehr als 1 Million Euro.
- Das Gebiet liegt zwischen etwa 850 m und 1.270 m, wo der Niederschlag heute häufiger als Regen fällt.
- Sesselbahn, Kolbensattelhütte und Alpine Coaster bleiben im Winter geöffnet.
- Bei genügend Naturschnee dürfen Skitourengeher die Hänge auf eigene Verantwortung nutzen.
Was sich am Kolbensattel ändert
Die Betreiber begründeten die Entscheidung im Sommer 2026 in einer Postwurfsendung an alle Haushalte, unterzeichnet von Geschäftsführer und Gesellschafter Klement Fend. Ab diesem Winter ist der Kolbensattel „freier Skiraum“, ein frei zugängliches Gelände für alle Nutzer. Die Deutsche Presse-Agentur griff das Thema am Montag, 26. Oktober 2026, auf, in einem Bericht, den die Abendzeitung München übernahm.
| Bereich | Winter 2026/27 |
|---|---|
| Präparierte Pisten | keine |
| Beschneiung | eingestellt |
| Rodelbahn | geschlossen |
| Kolbensesselbahn | geöffnet |
| Alpine Coaster | geöffnet, für den Winterbetrieb umgerüstet |
| Kolbensattelhütte | geöffnet |
| Wank-Schlepplifte am Hangfuß | anderer Betreiber, Betrieb bei Schnee möglich |
Die kleinen Wank-Lifte am Fuß des Hangs gehören einem anderen Betreiber. Sie können laut dem Schreiben weiterhin Wasser für die Beschneiung aus der Pumpstation am Kolbensattel beziehen.
Warum die Rechnung nicht mehr aufgeht
Die Betreiber übernahmen die Lifte 2011 von der Gemeinde. Die Vereinbarung verpflichtete sie, den Winterbetrieb 15 Jahre lang aufrechtzuerhalten. Diese Verpflichtung endet mit diesem Winter.
Laut dem Schreiben war jeder Winter seit 2019/20 ein Verlustgeschäft. Die Betreiber nennen vier Ursachen:
- Temperatur: weniger Stunden unter null, in denen Schneekanonen arbeiten können, also muss mehr Schnee in kürzerer Zeit erzeugt werden.
- Energie: Die Energiekosten der Beschneiung stiegen seit Beginn des Kriegs in der Ukraine um etwa 160 %, auf 80.000–100.000 € pro Winter.
- Wasser: Die Schneekanonen entnehmen Wasser aus der Ammer, und zwar nur bis zu deren mittlerem Niedrigwasserabfluss.
- Personal: Schlepplifte, Seillifte, Rodelbahn, Pistenpräparierung und Beschneiung brauchen im Winter zusätzliche Leute.
„In unserem Wintereinzugsgebiet südlich Münchens und Augsburgs gibt es keinen Winter im bisherigen Sinn mehr“, heißt es in dem Schreiben.
Auch Beschneiung half nicht
Die Betreiber investierten 2016 rund 600.000 € in die Beschneiung. Nach einem sehr schlechten Winter 2023/24 stellten sie die Talabfahrt ein und boten stattdessen eine beschneite Rodelbahn an. Geholfen hat das nicht: Das Defizit lag laut dem Schreiben in jedem der letzten beiden Winter bei rund 360.000 €.
Der Bericht von schneehoehen.de beschreibt das neue Modell mit den Worten der Betreiber: Skitourengeher und andere Wintergäste nutzen das Gelände eigenverantwortlich. Das Unternehmen will in sein Sommergeschäft investieren, unter anderem in eine Photovoltaikanlage mit etwa 1 MWp, die ab Sommer 2027 laufen soll.
Die Talstation des Schlepplifts am Kolbensattel, Sommer 2020. Foto: Mateus2019 via Wikimedia Commons, CC BY 3.0 DE
Weitere tief gelegene Skigebiete in diesem Herbst
Der Kolbensattel ist nicht das einzige kleine Gebiet, das vor dem Winter 2026/27 sein Modell ändert. In Bayern hat der Jenner oberhalb von Berchtesgaden den klassischen Skibetrieb bereits eine Saison früher eingestellt, wie t-online berichtete.
| Gebiet | Höhe | Stand: Mittwoch, 28. Oktober 2026 |
|---|---|---|
| Kolbensattel, Bayern | 850–1.270 m | keine Präparierung, keine Beschneiung, freies Gelände |
| Jenner, Bayern | – | kein klassischer Skibetrieb seit 2025/26 |
| Les Rousses, französischer Jura | – | Betreiber seit Oktober 2026 unter gerichtlichem Schutz |
| La Dôle, Schweizer Jura | Gipfel etwa 1.678 m | Einigung erzielt, Pisten von 34 auf 28 km gekürzt |
| Saint-Colomban-des-Villards, Savoyen | 1.100 m | öffnet wieder am Mittwoch, 9. Dezember 2026 |
Im französischen Jura beantragte die Betreibergesellschaft Sogestar am Montag, 12. Oktober 2026, eine „procédure de sauvegarde“, ein gerichtlich überwachtes Schutzverfahren gegenüber Gläubigern. „Das kommerzielle Risiko, das mit der Schneelage verbunden ist, kann der Betreiber nicht mehr allein tragen“, hieß es in ihrer Erklärung, wie ICI zitierte (aus dem Französischen übersetzt).
Sogestar betreibt auch die Schweizer Seite an der Dôle. Laut der Schweizer Zeitung La Côte, wie skiinformatie.nl berichtete, einigte sich das Unternehmen am Mittwoch, 21. Oktober 2026, mit der Liftbesitzerin Télé-Dôle auf neue Bedingungen. In Savoyen öffnet Saint-Colomban-des-Villards wieder, mit wiederhergestellter Verbindung zu Les Sybelles, wie France 3 berichtete. Der Winter mit kostenlosem Skifahren hatte die Gemeinde 250.000 € gekostet.
Was das für Ihre Ski bedeutet
Ohne Präparierung wird der Kolbensattel zu einer kurzen Tour oberhalb von Oberammergau, allerdings erst nach echtem Schneefall. Auf 850 bis 1.270 m kann das nur wenige Tage pro Winter bedeuten. Niemand präpariert oder sichert den Hang, Sie sind dort also auf eigene Verantwortung unterwegs.
Für tief gelegene Touren wie diese ist ein leichter Tourenski mit etwa 85 bis 95 mm Mittelbreite die übliche Wahl. Vergleichen Sie den Atomic Backland 88, den Dynafit Blacklight 88 und den Elan Ripstick Tour 94 anhand der Herstellerangaben, oder lassen Sie Pick-a-Ski den Katalog für Ihr Gelände und Ihr Können sortieren.
