article·geschrieben von ·2026.11.07

Braunwald: Aktionäre kämpfen gegen Ski-Aus, Besitzer bietet 32 Rappen pro Aktie

Grüne Alpwiesen hoch über Braunwald mit dem Tödi-Massiv im Hintergrund

Braunwald über dem Linthtal, im Hintergrund der Tödi. Foto: Kanton Glarus, Samuel Trümpy Photography via Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Braunwald, das autofreie Dorf oberhalb von Linthal im Kanton Glarus, geht erstmals ohne Pistenskibetrieb in den Winter 2026/27. Am Montag, 26. Oktober 2026, hat eine Gruppe von Aktionären bei der kantonalen Schlichtungsbehörde beantragt, vier Beschlüsse der Generalversammlung vom 26. August aufzuheben. Am 5. und 6. November berichteten die Glarner Nachrichten und der Blick über die Antwort des Hauptaktionärs: Richi Bolt bietet den Kleinaktionären 32 Rappen pro Aktie.

In Kürze

  • Die Sportbahnen Braunwald AG hat im Geschäftsjahr bis zum 30. April 2026 CHF 1'641'406 verloren und ist nach Schweizer Aktienrecht überschuldet, schreibt ihre Revisionsstelle.
  • Der Verwaltungsrat beschloss am 18. Juni 2026 das Ende des Pistenskibetriebs; die Gumenbahn ist seit dem 19. Oktober 2026 geschlossen.
  • Die Aktionärsgruppe «Bruuwald zäme» reichte am 26. Oktober, dem letzten Tag der zweimonatigen Frist, bei der Schlichtungsbehörde ein.
  • Bolt, der knapp die Hälfte der Aktien hält, bietet jetzt 32 Rappen pro Aktie, das Doppelte der Offerte, die die Gruppe Anfang Oktober gemacht hatte.
  • Der Winter 2026/27 dauert vom 19. Dezember bis zum 14. März, mit zwei Bahnen, Schlitteln, Snow Tubing und Winterwandern.

Was die Aktionäre anfechten

Die Mitteilung der Gruppe, die glarus24 am 29. Oktober veröffentlichte, nennt vier Beschlüsse der Generalversammlung vom 26. August 2026: das Protokoll der Generalversammlung 2025, die Jahresrechnung 2025/26, den Vortrag des Jahresverlusts von CHF 1'641'406.31 auf die neue Rechnung und die Wahl der Torgler Revision AG als Revisionsstelle für 2026/27. Die Gruppe sagt, die Jahresrechnung berücksichtige das angekündigte Ende des Skibetriebs nicht, und sie stellt die Unabhängigkeit der Revisionsstelle infrage. Zu den Bahnen schreibt sie, ein Verkauf von Infrastruktur, insbesondere der Gumenbahn, «wird mit allen verfügbaren rechtlichen Mitteln bekämpft».

Der Tages-Anzeiger berichtete am 31. Oktober, die Frist für juristische Schritte sei an jenem Montag abgelaufen, nach Angaben von Christian Portmann, Sprecher der Gruppe und Vizepräsident des Vereins auswärtiger Liegenschaftsbesitzer. Ein Verhandlungstermin war am 7. November 2026 nicht öffentlich bekannt.

Die Gegenofferte: 32 Rappen pro Aktie

Der Hauptaktionär verkaufte nicht. Anfang Oktober hatte die Gruppe CHF 300'000 für Bolts Anteil geboten, den sie auf rund 46 Prozent schätzt, unter der Bedingung, dass er auf die Darlehen verzichtet, die er der Gesellschaft gewährt hat. Die NZZ schrieb am 11. Oktober, Bolt habe die Frist verstreichen lassen und wolle sich nicht dazu äussern. Nach einem Treffen in der Woche vom 12. Oktober einigten sich die beiden Seiten auf eine unabhängige Bewertung der Anlagen. «Die Preisvorstellungen für die Aktienanteile gehen weit auseinander», sagte Initiantin Bettina Ledergerber dem Blick am 14. Oktober.

Die Südostschweiz berichtete am Donnerstag, 5. November, dass Bolt den Kleinaktionären jetzt 32 Rappen pro Aktie bietet, das Doppelte der Offerte der Gruppe. Der Blick ergänzte am 6. November, dass Bolt knapp die Hälfte der Aktien hält. Mit einer Mehrheit könnte er Entscheide allein fällen; die Gruppe rät ihren Mitgliedern, ihre Aktien zu behalten. Die Gesellschaft hat die Gesamtzahl der Aktien nicht veröffentlicht, der Gesamtwert der Offerte ist deshalb unbekannt.

Die Zahlen hinter dem Entscheid

Die revidierte Jahresrechnung für das Geschäftsjahr bis zum 30. April 2026, veröffentlicht für die Generalversammlung, zeigt den Zustand der Gesellschaft:

PostenBetrag (CHF)
Jahresverlust 2025/26−1'641'406
Eigenkapital am 30. April 2026−754'321
Flüssige Mittel am 30. April 202639'643
Darlehen von Hauptaktionär und Verwaltungsrat3'650'000, davon 1'400'000 mit Rangrücktritt
Verkehrsertrag Winter 2025/26865'000, minus 31 Prozent
Verlust 2023/24−2'302'408

Die Revisionsstelle schreibt, die Gesellschaft sei «im Sinne von Art. 725b OR überschuldet», und der Verwaltungsrat habe von der Benachrichtigung des Gerichts abgesehen, weil Gläubiger für CHF 1,4 Millionen Rangrücktritt erklärt haben. Im eigenen Bericht des Verwaltungsrats heisst es, der Winter habe wegen Schneemangels ohne Skibetrieb begonnen, nachdem über 40 Saisonmitarbeitende angestellt und knapp CHF 1 Million in die Vorbereitung gesteckt worden waren. Der Verwaltungsrat folgert, ein Skibetrieb sei für die Gesellschaft «hoch defizitär und höchst risikoreich».

Der Verwaltungsrat fällte seinen Entscheid am 18. Juni 2026 und gab ihn am 19. Juni bekannt. An der Generalversammlung vom 26. August verfügte der Verwaltungsrat über 52 Prozent der Aktienstimmen und lehnte einen Antrag auf eine Sonderuntersuchung ab, berichtete SRF. «Wir haben diesen Entscheid nicht leichtsinnig oder vorschnell gefällt», sagte Bolt nach der Versammlung.

Was diesen Winter läuft

DatumWas
19. Oktober 2026Gumenbahn geschlossen, gemäss den Betriebszeiten der Gesellschaft
5.–6. und 12.–13. Dezember 2026Wochenendbetrieb der Gondelbahn Hüttenberg–Grotzenbüel bei gutem Wetter
19. Dezember 2026 – 14. März 2027Wintersaison: Gondelbahn Hüttenberg–Grotzenbüel und Sesselbahn Grotzenbüel–Seblengrat
Ganzer WinterSchlittelbahn Grotzenbüel–Hüttenberg, Snow Tubing, Übungspiste mit Förderband, Winterwander- und Schneeschuhrouten
Ganzer WinterGondelbahn Niederschlacht–Hüttenberg vom Dorf geschlossen; Saisonkarte CHF 400

Die Standseilbahn von Linthal nach Braunwald gehört einer separaten Gesellschaft und fährt täglich. Der Kanton Glarus sicherte deren Liquidität am 17. August 2026 mit CHF 600'000, der erste Schritt eines Pakets, das bis Mitte 2027 weitere CHF 2,8 Millionen braucht.

Was das für Ihre Ski bedeutet

Braunwald war ein Familienskigebiet: sieben Anlagen zwischen 1256 und 1901 Metern, laut NZZ. Eine Familie, die dort Ski fuhr, schaut für denselben Skitag jetzt nach Elm, auf den Flumserberg oder auf die Klausen-Seite. Für diesen Tag ändert sich der Ski nicht: ein gutmütiger Carving- oder schmaler All-Mountain-Ski mit 76 bis 84 mm Mittelbreite, etwa der Elan Wingman 83 Ti oder der Head Supershape e-Rally, und ein kürzeres, weicheres Modell für die Kinder.

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Quellen

  • glarus24, «Aktionäre fechten GV-Beschlüsse an und wehren sich gegen Verkauf der Infrastruktur», 29. Oktober 2026
  • Südostschweiz / Glarner Nachrichten, «Richi Bolt macht Kleinaktionären Kaufangebot für ihre Aktien», 5. November 2026
  • Blick, «Richi Bolt will Aktien zukaufen», 6. November 2026; «Aktionäre wollen Gumenbahn retten», 31. Oktober 2026; «Jetzt laufen doch Verkaufsgespräche», 14. Oktober 2026
  • Tages-Anzeiger, «Aktionäre fechten Beschlüsse der Sportbahnen Braunwald an», 31. Oktober 2026
  • NZZ, «Eine Gruppe will die überschuldeten Sportbahnen Braunwald übernehmen», 11. Oktober 2026
  • SRF, Schweiz Aktuell, 26. August 2026
  • Sportbahnen Braunwald AG, Jahresrechnung und Bericht des Verwaltungsrats 2025/26, Winterangebot 2026/27 und Betriebszeiten, abgerufen am 7. November 2026
  • Bruuwald zäme, Mitteilung vom 29. Oktober 2026 und Zwischenstand Businessplan vom 5. Oktober 2026
über den autor

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