article·geschrieben von ·2026.10.30

1 Million Euro Schulden: Kleines Salzburger Skigebiet Heutal muss in Sanierung

Verschneiter Sportplatz in Unken mit bewaldeten Hängen und einer verschneiten Wiese im Hintergrund

Unken im Saalachtal im Winter, der Ort unterhalb des Skigebiets Heutal. Foto: Turbo888 via Wikimedia Commons, CC0

Die Heutal-Lift GmbH, Betreiberin des kleinen Skigebiets Heutal oberhalb von Unken im Salzburger Land, schuldet 37 Gläubigern rund 1,025 Mio. Euro. Am Donnerstag, 29. Oktober 2026, hat das Landesgericht Salzburg ein Sanierungsverfahren eröffnet. Die Lifte bleiben im Winter 2026/27 sehr wahrscheinlich geschlossen, der Betreiber strebt einen schuldenfreien Neustart an.

In Kürze

  • Die Verbindlichkeiten betragen laut den Gläubigerschutzverbänden rund 1,025 Mio. Euro bei 37 Gläubigern.
  • Das Gericht in Salzburg hat das Verfahren am Donnerstag, 29. Oktober 2026, eröffnet (Aktenzeichen 44 S 42/26i).
  • Der Sanierungsplan bietet den Gläubigern eine Quote von 20 %, zahlbar binnen zwei Jahren.
  • Die drei Schlepplifte und der Übungslift werden im Winter 2026/27 sehr wahrscheinlich nicht laufen.
  • Der Sessellift aus einem Plan von rund 25 Mio. Euro vom Jänner 2026 ist vom Tisch; das Heutal bleibt ein Schleppliftgebiet.

Was das Gericht entschieden hat

Das Landesgericht Salzburg hat am Donnerstag, 29. Oktober 2026, ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das bedeutet, dass ein vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter, der Salzburger Rechtsanwalt Robert Bukovc, die Kontrolle über das Unternehmen hat. Der Gläubigerschutzverband AKV machte den Fall noch am selben Nachmittag öffentlich.

Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen überschuldet und zahlungsunfähig. Außer dem Geschäftsführer Sebastian Vitzthum, der zugleich alleiniger Gesellschafter ist, hat es keine Beschäftigten. Der Gläubigerschutzverband KSV1870 teilt die Schulden auf: rund 735.000 Euro entfallen auf Banken, rund 290.000 Euro auf Lieferanten.

Sanierungsverfahren Heutal
GerichtLandesgericht Salzburg, 44 S 42/26i
EröffnetDonnerstag, 29. Oktober 2026
Verbindlichkeitenrund 1,025 Mio. Euro
Gläubiger37
Angebot20 % binnen zwei Jahren
AnmeldefristMontag, 4. Jänner 2027
SanierungsplantagsatzungMontag, 18. Jänner 2027

Warum das Geld ausging

Der AKV listet die Gründe auf, die das Unternehmen angegeben hat. Die Insolvenz sei „insbesondere auf die letzten schneearmen Winter und den damit verbundenen Rückgang der Skierdays" zurückzuführen. Weitere Gründe sind Phasen, in denen das Gebiet von Bayern aus schwer erreichbar war, zu wenige Gäste im Sommer, gestiegene Kosten und Altschulden. Die Beschneiungsanlage ist noch nicht voll funktionsfähig.

Vitzthum sagte den Salzburger Nachrichten: „Ich habe die Altlasten unterschätzt - es geht nur mit einem schuldenfreien Neubeginn." Das Unternehmen wurde 2007 gegründet. Laut KSV1870 übernahm es das Gebiet von einem früheren Betreiber, der ebenfalls insolvent geworden war.

Der Plan zur Rettung der Lifte

Der Sanierungsplan bietet den Gläubigern eine Quote von 20 %. Davon sind 5 % in bar binnen zwei Wochen nach der gerichtlichen Bestätigung des Plans fällig. Der Rest folgt binnen zwei Jahren. Laut AKV wird ein Dritter die Barquote bezahlen, wer das ist, nennt jedoch keine Quelle.

Der KSV1870 gab auch die Sicht des Unternehmens wieder: Der kommende Winter sei ohne Skibetrieb geplant, wobei „bei guter Schneelage ein Aufsperren zielführend und wirtschaftlich sein könnte sowie vorbereitet wäre". Der KSV1870 merkte zudem an, dass er diese Angaben in der Kürze der Zeit nicht prüfen konnte.

Langlauf-Loipenschild im Schnee im Heutal

Ein Loipenschild im Heutal im März 2019. Die Loipe wird vom Tourismusverband und der Gemeinde betrieben, nicht von der Liftgesellschaft. Foto: Andreas Binder via Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Winter 2026/27 ohne Lifte

Auf der Website des Betreibers heißt es: „Die Skilifte im Heutal bleiben im Winter 2026/27 voraussichtlich geschlossen." Einen Vorverkauf von Liftkarten gibt es nicht. Auf die Frage, ob die Lifte in diesem Winter öffnen, sagte Vitzthum zu Salzburg24: „Aus heutiger Sicht eher nicht." Nur mit viel Naturschnee könnte es in den Ferien eine kurze Öffnung geben. Skitourengeher können die Pisten weiterhin nutzen.

Das Gebiet hat einen langen und zwei kurze Schlepplifte sowie einen Übungslift und ist bei Tagesgästen und Familien beliebt, schrieb die Nachrichtenagentur APA. Seine Schwachstelle ist der untere Wildalm-Schlepplift, der fast 60 Jahre alt ist, wie ORF Salzburg im Jänner berichtete. Kann er wegen Schneemangels nicht fahren, sind die beiden oberen Lifte nicht erreichbar.

Vom 25-Millionen-Plan zur Insolvenz

Am Samstag, 31. Jänner 2026, stellte der Betreiber einen Plan über rund 25 Mio. Euro vor: einen gebrauchten Sessellift, Beschneiung und ein neues Gasthaus mit rund 100 Betten. Die Finanzierung war damals noch nicht vollständig, schrieb ORF Salzburg. Im April 2026 teilte das Unternehmen mit, dass die Lifte 2026/27 nicht laufen würden, weil der untere Schlepplift eine teure Generalüberholung brauche. Nun ist der Sessellift vom Tisch: Das Heutal bleibt ein reines Schleppliftgebiet und investiert stattdessen in die Beschneiung, sagte Vitzthum zu Salzburg24.

Das Heutal ist kein Einzelfall. In Oberösterreich übernimmt das Land das Skigebiet Kasberg mit bis zu 17 Mio. Euro, wie wir am 29. Oktober berichteten. Jenseits der Grenze in Bayern beendet der Kolbensattel oberhalb von Oberammergau den Skibetrieb, nach Verlusten von mehr als 1 Mio. Euro in drei Wintern.

Was kleine Skigebiete für Ihre Ski bedeuten

Kleine Familienskigebiete wie das Heutal sind die Orte, an denen viele das Skifahren lernen: kurze Schlepplifte, leichte Pisten und niedrige Preise. Schließt eines davon, müssen die Stammgäste ausweichen, oft in größere Gebiete mit längeren Pisten.

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über den autor

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